Aktuelle Debatten zur Wissenschaftsfreiheit

Udo Kelter
Aktuelle Debatten zur Wissenschaftsfreiheit
(Stand: 11.10.2024, 15:00)


  1. Intro
  2. Debattenteilnehmer / Debattenraum
  3. Interpretationen der Wissenschaftsfreiheit / Perspektiven
  4. "Monographien" zur Wissenschaftsfreiheit

Intro

Debattenteilnehmer / Debattenraum

Interpretationen der Wissenschaftsfreiheit / Perspektiven

1. Klassisches negatives individuelles Freiheitsrecht

als Abwesenheit von Behinderungen in Forschung und Lehre, die gegen eine wiss. Tätigkeit gerichtet ist: nur unter ferner liefen (außer NWF)

angegriffene Forschungsthemen:

Ausweitung der Grundrechtsträger und des Wissenschaftsbegriffs

2. Funktionsgrundrecht / Leistungsrecht

fundamental andere Struktur als individuelles Abwehrrecht, vieles unklar: wer ist Rechteinhaber, wer ist Leistungserbringer, Ressourcenkonkurrenz, ...

Bildungsauftrag, angefangen bei der Grundschule, ist etwas anderes als Wissenschaftsfreiheit

häufig thematisiert (oft implizit):

3. Sinnfrage: Unterordnung der Wahrheitssuche unter ideologische Ziele ("säkulare Koranschule")

"Monographien" zur Wissenschaftsfreiheit

  1. Ingo Elbe: Antisemitismus und postkoloniale Theorie. Der »progressive« Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung. Tiamat, Critica Diabolis 328, ISBN 978-3-89320-314-7, 25.03.2024.

    Ingo Elbe: Bibliographie zur Kritik postkolonialer und antirassistischer Thematisierungen von Antisemitismus, Holocaust, Holocaust-Erinnerung und Israel. researchgate.net, 02.2022.

  2. Free to Think. Report of the Scholars at Risk Academic Freedom Monitoring Project. Scholars at Risk, 30.08.2024.
  3. Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zur Wissenschaftsfreiheit / Cancel-Culture:

    Gregor Fabian, Mirjam Fischer, Julian Hamann, Anna Hofmann, Matthias Koch, Uwe Schimank, Christiane Thompson, Richard Traunmüller, Paula-Irene Villa: Akademische Redefreiheit. Kurzbericht zu einer empirischen Studie an deutschen Hochschulen. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, 04.10.2024.

    Studie bestätigt Freiheit an deutschen Hochschulen. Forschung und Lehre, 10.10.2024.

    • Ermöglicht durch ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, begleitet durch die journalistische Expertise von Redakteuren der Wochenzeitung DIE ZEIT (daher auch Gender-:)
    • Studienleitung: Gregor Fabian (DZHW)
    • Konzeption: Gregor Fabian (DZHW), Mirjam Fischer (HU Berlin), Julian Hamann (HU Berlin), Uwe Schimank (U. Bremen), Christiane Thompson (U. Frankfurt/Main), Richard Traunmüller (U. Mannheim), Paula-Irene Villa Braslavsky (LMU München)
    • rund 9.000 Professoren, Postdocs und Doktoranden an deutschen Hochschulen befragt
    • eher schlecht 19%, sehr schlecht 3%
    • Unterschiede zwischen den Fächergruppen sind überraschend gering.
    • 1,7% haben in den vergangenen zwei Jahren eine Lehrveranstaltung aus Angst vor Druck oder negativen Folgen abgesagt oder abgebrochen.
    • 6% haben moralische Abwertungen oder berufliche Probleme erlebt
    • 14% haben Thema vermieden, weil sie negative Konsequenzen fürchteten
    • 1 - 3% hart verbal angegriffen (unterschiedliche Medien) [Bestrafe einen, erziehe 100]

    Erstaunliche Diskrepanz zu einer anderen jüngeren Studie des DZHW:

    • Fast jeder zweite Wissenschaftler erlebt Anfeindungen. Spiegel, 16.05.2024.

      in Kooperation mit Projektverbund KAPAZ (Kapazitäten und Kompetenzen im Umgang mit Hassrede und Wissenschaftsfeindlichkeit) und bundesweite Beratungsstelle für Forschende (Scicomm-Support)

    Ebenfalls nicht ganz konsistent mit dem extrem positiven Urteil für D. im "Academic Freedom Index" (AFI)